31. Oktobar 2015

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Historie

Die Entstehung des Sandschak Novi Pazar

Im Osmanischen Reich bezeichnete der Begriff Sandzak einen Verwaltungsbezirk. Novi Pazar genießt heute keine Selbstverwaltung, ist aber als territoriale Einheit erhalten geblieben. Auf Beschluss des Berliner Kongresses von 1878 wurde das Mandat über diesen Sandschak an Österreich-Ungarnübertragen. Die militärische Oberhoheit des Habsburger Reiches sollte verhindern, dass sich Serbien und Montenegro hier eine Landbrücke zwischen ihren Staatsgebieten schaffen konnten.

Bis zu den Balkankriegen von 1912 und 1913 blieb der Sandzak formell unter osmanischer Herrschaft. Erst 1913 wurde das Territorium aufgeteilt: Serbien erhielt den Norden, Montenegro den Süden. Nachdem sich im Zweiten Weltkrieg ein antifaschistisches Komitee für die Befreiung des Sandzak gebildet hatte, sollte das Gebiet eigentlich zu einem jugoslawischen Bundesstaat werden. Doch Milovan Djilas, der für die Festlegung der inneren Grenzen des neuen Jugoslawiens maßgeblich verantwortlich war, entschied sich für die alte Teilung: Die eine Hälfte kam zu Serbien, die andere zu Montenegro.

Die Hauptstadt des Sandzak, Novi Pazar, war lange Zeit ein wichtiger Handelsplatz am Kreuzpunkt der alten transbalkanischen Karawanenstraßen. Auf dieser Rolle beruhte auch der einstige Reichtum der Stadt, von dem der heute verfallene jüdische Friedhof zeugt. Im heutigen Sandzak leben Angehörige dreier nationaler Gemeinschaften: Die muslimischen Slawen, die etwas mehr als die Hälfte der rund 500 000 Einwohner ausmachen, verstehen sich als “Bosniaken”; die orthodoxen Christen im Norden definieren sich als Serben, die im Süden als Montenegriner.

Geografisch bildet der Sandzak einen Korridor zwischen dem Kosovo und Bosnien, und damit in den Augen mancher Ideologen den Kernabschnitt einer “grünen Diagonale”, sprich einer “muslimischen Achse” in der Balkanregion. Zwischen dem Osten und dem Westen sind die Beziehungen aber nicht sehr intensiv. Der Osten ist stark muslimisch geprägt, wobei sich die Bosniaken in den serbischen Städten Novi Pazar, Sjenica und Tutin und im montenegrinischen Rozaje konzentrieren. Aus dem Westen dagegen wurden die meisten Muslime schon im Zweiten Weltkrieg durch die Tschetniks, die serbischen Nationalisten vertrieben. Ethnische Säuberungen gab es auch während der Kriege in den 1990er-Jahren, etwa in Pljevlja (Montenegro) und Priboy (Serbien). Für die serbischen Nationalisten war vor allem die Vertreibung der Muslime aus demDrina-Tal immer sehr wichtig. Die Spannungen zwischen den nationalen Gemeinschaften dauern bis heute an und werden neuerdings durch die Aktivitäten kleiner wahhabitischer Gruppierungen verstärkt, die bei den verunsicherten Muslimen die islamische Identität stärken wollen.

Heute dient der Sandzak auch als Korridor für mafiose Gruppen aus Serbien, Montenegro, Bosnien und Albanien, die besonders in Novi Pazar präsent sind. Doch wenn auf dem Balkan Frieden einkehrt und die Grenzen sich öffnen, könnte die Stadt erneut zum Zentrum von Handel und kulturellem Austausch werden. Dann würde auch der Sandzak seinen angemessenen Platz im Europa der Regionen finden.

Quelle: Auszug Le Monde diplomatique Nr. 8476 vom 11.1.2008, 70 Zeilen,

Bis heute bezeichnet man das Gebiet als Ganzes als den Sandzak. Auf dem historischen Gebiet des Sandzak von Novi Pazar liegen heute auf serbischer Seite sechs Großgemeinden (Nova Varoš, Novi

Pazar, Priboj, Prijepolje, Sjenica und Tutin). Dieser Teil des Gebietes gehört zu den zentralserbischen

Bezirken Raška (Raszien) im südlichen und Zlatibor im nördlichen Teil. Auf der montenegrinischen Seite des Sandzaks liegen ebenfalls sechs Großgemeinden (Berane, Bijelo Polje, Rožaje, Plav, Andrijevica und Pljevlja).
Ethnische Gruppen im Sandzak:
Bosniaken = 193.026 (45,31 %)
Serben = 156.852 (36,82 %)
Montenegriner = 29.892 (7,02 %)
Muslime (im nationalen Sinne) = 27.047 (6,35 %)
Ethnische Gruppen im serbischen Teil des Sandschak:
Bosniaken = 134.128 (56,94 %)
Serben = 89.396 (37,95 %)
Muslime (im nationalen Sinne) = 8.222 (3,49 %)
Montenegriner = 928 (0,40 %)
Ethnische Gruppen im montenegrinischen Teil des Sandschak:
Serben = 67.456 (35,41 %)
Bosniaken = 58.898 (30,92 %)
Montenegriner = 28.964 (15,21 %)
Muslime (im nationalen Sinne) = 18.825 (9,88 %)
Die Großgemeinden mit dem höchsten bosniakischen/muslimischen Bevölkerungsanteil sind Novi Pazar (78,13 %), Tutin (94,97 %), Sjenica (75,69 %) und Rožaje (88,74 %).
Die Großgemeinden mit dem höchsten serbischen Bevölkerungsanteil sind Priboj (74,15 %), Nova Varoš
(90,09 %) und Andrijevica (69,61 %)

Zum Verständnis EUREGIO

Eine EUREGIO – Europäische Region – ist die Bezeichnung für grenzüberschreitende Zusammenschlüsse auf kommunaler oder regionaler Ebene, meistens mit wirtschaftlichem Schwerpunkt, aber auch zur Förderung der Zusammenarbeit in gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht. Euregios sind in der Regel Interessengemeinschaften von kommunalen und regionalen Körperschaften aus mindestens zwei Staaten und als eingetragene Vereine nach dem jeweiligen nationalen Recht organisiert. Jeder Verein bildet dann über die Grenze hinweg eine Arbeitsgemeinschaft mit dem Verein oder den Vereinen in den Nachbarländern. Die Aktivitäten werden in einem gemeinsamen Gremium, dem Euregio-Rat, aufeinander abgestimmt.

Das Ziel der Euregios ist die Stärkung benachteiligten Randregionen und der Abbau ihrer sozioökonomischen Benachteiligungen. Bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit werden folgende Ziele verfolgt:

1. Umsetzung des Europagedankens auf regionaler Ebene (Etablierung von Plattformen zum Informations- und Erfahrungsaustausch, Unterstützung grenzüberschreitender Projekte usw.);

2. Entwicklung der Region als Arbeits- und Lebensraum für ihre Bewohner durch die Stärkung des Identitätsbewusstseins, die Bereitstellung wichtiger Informationen (z. B. Bürgerservice) usw.

3. Verstärkung der wirtschaftlichen und sozialen Verflechtungen (z. B. Aufbau von gemeinsamen Vermarktungskonzepten)

4. Erhöhung der Umwelt- und Lebensqualität in der Region, z. B. durch Verbesserungen im Bereich des Öffentlichen Personennahverkehrs, gemeinsame Aktionen im Bereich Umweltschutz und Energie usw.

5. Maßnahmen in den Bereichen Kultur (gemeinsame Veranstaltungen, kultureller Austausch usw.)

Im Rahmen der Regional- und Strukturpolitik der EU werden Euregios vor allem durch die INTERREG- Programme, das Ziel 3 des Europäischen Strukturfonds (Europäische Territoriale Zusammenarbeit, ETZ) sowie den „Europäischen Verbund für territoriale Zusammenarbeit“ (EVTZ) gefördert.

Die Vorgeschichte

wird in Anlage 1 der Euregio Sandzak Konferenz durch die Heimatgesellschaft in Stolberg , unter Vorsitz von Zaim Celebic, beschrieben.

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass im Juni des gleichen Jahres ein Gespräch mit dem Präsidenten der EUREGIO Maas-Rhein, Karl-Heinz Lambertz, über die Planung der Gründung einer EUREGIO Sandzak geführt wurde, siehe unser Bericht in der Anlage 2 zum Report.

Anlässlich der Vortrags- und Motivationsreise zur Gründung einer Euregio präsentierte bzw. stellte Peter Schöner, Präsident des Europavereins GPB e.V, die Euregio Maas-Rhein vor.

Fortsetzung folgt…

 

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